Das Gute in Deinem Kind voraussetzen

gute

Es gibt immer einen Grund, warum sich ein Mensch so verhält, wie er es tut.

Wenn wir in der Lage wären, erst einmal das Gute beim anderen vorauszusetzen, könnten wir uns einigen Ärger ersparen.

Leider ist unser Gehirn aber so konstruiert, dass es aus negativen Erfahrungen schneller und nachhaltiger lernt.

Das heißt, eine negative Erfahrung, wie zum Beispiel ein Unfall oder ein heftiger Streit, wird einen tieferen Eindruck bei uns hinterlassen.

Auch wenn wir das gar nicht wollen und wir uns viel lieber an positive Dinge erinnern.

Schlechte Erfahrungen hochrechnen in die Zukunft

In Bezug auf unsere Beziehungen mit anderen Menschen läuft das Muster ähnlich ab.

Sobald wir mit einem Menschen eine schlechte Erfahrung machen, weil er uns zum Beispiel belügt oder offensichtlich gemein zu uns ist, rechnen wir in Zukunft mehr oder weniger automatisch mit ähnlichem Verhalten.

Besonders wenn wir einen Menschen gerade neu kennenlernen, wirkt sich das so negativ aus, dass wir ihm keinen Platz in unserem näheren Bekanntenkreis zugestehen.

Wir schreiben ihn recht schnell ab und haben gar kein Interesse mehr, an das Gute in ihm zu glauben, geschweige denn, ihn näher kennenzulernen.

Manchmal gibt es gute Gründe

Wenn wir jedoch eine gute Beziehung zu einem Menschen haben und wir mit ihm eine schlechte Erfahrung machen, lohnt es sich, nicht gleich vom Schlimmsten auszugehen.

Gerne greife ich hier wieder auf das Beispiel des Teenagers zurück.

Die Eltern des Kindes haben viele Jahre ihren Teenager als verlässlichen, ehrlichen und freundlichen Menschen kennengelernt.

Sie sind durch dick und dünn gegangen und blicken auf eine positive, gemeinsame Geschichte zurück.

Wenn die Eltern jetzt das Kind dabei erwischen, wie es sie belügt, wird es sich immer lohnen, das Verhalten zu hinterfragen.

Offen miteinander reden

Anstatt sich in Gedanken eine schwarze Zukunft für den Teenager auszumalen, der scheinbar nicht mehr gewillt ist, ehrlich zu sein, bietet sich eine andere Vorgehensweise an.

Wichtig ist, jederzeit offen miteinander zu reden, und zwar gleich von Anfang an, sobald sich ein negatives Verhalten zeigt.

Eltern, die das Gute in ihrem Kind voraussetzen, machen ihrem Kind bewusst, dass sie an es glauben.

Hinterfragt man nämlich, warum der Teenager sich auf diese Weise verhalten hat, kommen manchmal erstaunliche Dinge zutage.

Die Verkettung von Ursache und Wirkung entwickelt ein Eigenleben

Sehr oft handelt das Kind einfach, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

Sobald sich eine Verkettung von Ursache und Wirkung in Gang setzt, wird der Zug in die falsche Richtung so stark, dass das Kind den Ablauf der Geschehnisse nicht mehr anhalten kann.

Zumindest scheint es so.

Um nicht beim Lügen ertappt zu werden, lässt sich das Kind zum Beispiel eine neue Lüge einfallen, die von einer weiteren gestützt werden muss und so weiter.

Eine neue Perspektive einnehmen

Der Schlamassel, in dem sich der Teenager dann am Ende der Geschichte wiederfindet, war von ihm weder geplant noch wirklich gewollt.

In einem solchen Fall hilft es sehr, sich zum Beispiel mit der Baumhaus-Übung einen Überblick über die Situation zu verschaffen.

Dann nehmen wir die Adler-Perspektive ein und schauen mit Abstand auf die Geschehnisse.

Ganz wichtig dabei ist eine offene Gesprächsbereitschaft

Ohne dem Gegenüber zu versichern, dass wir die Situation lösen wollen, weil wir an das Gute in ihm glauben, wird er sich vermutlich nur schwer auf ein Gespräch einlassen.

Bei der Formulierung während dem Gespräch dürfen wir uns daran erinnern, dass wir Botschaften senden, die einfach nur beschreiben, wie es uns mit der Situation geht und welches Bedürfnis wir haben.

Das könnte etwa so aussehen:

„Ich mache mir Sorgen, dass ich nicht Bescheid wusste, wo Du warst. Ich dachte, Du wärst auf Deinem Zimmer und war nicht darüber informiert, dass Du Dich mit Deinen Freunden getroffen hast. Ich wünsche mir, dass Du bei unserer Abmachung bleibst und mir sagst, wenn Du das Haus verlässt und wohin Du gehst.“

Es braucht Übung, cool zu bleiben

Zugegeben, das erfordert eine Menge an Selbstbeherrschung und Übung.

Wenn wir gerade zwei Stunden versucht haben, unser Kind ausfindig zu machen und es dann spätabends bei einem Freund abgeholt haben, ist es schwer, erst einmal die Ruhe zu bewahren.

In einem solchen Fall empfiehlt es sich, das notwendige Gespräch erst dann zu führen, wenn sich die Gemüter beruhigt haben.

Einblick in die Teenager-Seele

Wenn unser Kinder genügend Vertrauen zu uns hat, wird es uns zuhören und uns auch Einblick in seine Teenager-Seele gewähren.

Manchmal hilft es auch, wenn wir uns zurückerinnern.

Wie haben wir uns als Teenager gefühlt und was haben wir so alles gedacht?

Dann können wir das ein oder andere Verhalten möglicherweise ganz gut einsortieren und bringen noch mehr Verständnis für das Kind auf.

Im Gespräch sagen wir dem Kind, wie lieb wir es haben und dass wir ihm vertrauen.

Wenn das Kind weiß, dass es jederzeit mit unserem Verständnis und unserer Liebe rechnen kann, wird es ihm und uns leichter fallen, das Gute vorauszusetzen.

Alles Liebe

Claudia

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