Dein Mini-Projektor im Inneren

Projektor

Kannst Du Dir vorstellen, dass Du so etwas wie einen Mini-Projektor in Deinem Inneren hast?

Wenn Du Dich für psychologische Phänomene interessierst, ist Dir sicher schon einmal der Begriff „Projektion“ begegnet.

Je nachdem, in welchem Zusammenhang Eure Begegnung stattgefunden hat, war Dir sein Konzept entsprechend eingängig oder auch nicht.

Dein Mini-Projektor

Anstelle des abstrakten Konzeptes der Projektion stelle ich mir gerne vor, dass wir Menschen einen Mini-Projektor eingebaut haben.

Dieser Mini-Projektor funktioniert so, dass er das, was Du als Programme in Deinem Inneren abgespeichert hast, auf andere Menschen übertragen kann.

Dein Gegenüber wird also zur Leinwand, auf der Du Deine Programme abspielen lassen kannst.

Projektion läuft meistens unbewusst ab

Falls Dir das noch nie bewusst geworden ist, ist das kein Wunder.

Denn wir projizieren unsere Filme in den seltensten Fällen absichtlich.

Filme steht hier unter anderem für Befindlichkeiten, Werte, Erfahrungen oder auch Schattenseiten.

Besonders Therapeuten oder auch Coaches machen immer wieder die Erfahrung, dass ihre Klienten bestimmte Aspekte ihrer Programme auf sie projizieren.

Sie merken das deshalb, weil sie dahingehend geschult sind und das Phänomen kennen.

Aber auch Du kannst das wahrnehmen, sobald Du Deine Aufmerksamkeit darauf lenkst.

Beispiel einer Projektion

Nehmen wir einmal an, dass Dein Partner Dir im Streit vorwirft, ständig nur an Dich zu denken.

Du überlegst, ob er damit Recht haben könnte.

Warst Du in letzter Zeit zu sehr mit Dir selbst beschäftigt, so dass er das Gefühl haben könnte, Du hättest ihn vernachlässigt?

Falls Du zu dem Ergebnis kommst, dass Du seine Sicht nicht bestätigen kannst, denke noch ein paar Minuten länger nach.

Wie sieht es mit seiner Aufmerksamkeit Dir gegenüber aus?

Oder hat er sich in letzter Zeit darüber beklagt, dass seine Freunde, seine Eltern oder seine Vereinskollegen keine Zeit für ihn hatten?

Die Projektion gehört nicht zur Leinwand

Möglicherweise kommt dann zutage, dass es nicht Du bist, die ständig an sich denkt.

Es ist ein Film, den er in seinem Inneren aus einer seiner früheren Erfahrungen abgespeichert hat.

Und diesen Film projiziert er gerade auf Dich.

Jetzt kannst Du Dich geehrt fühlen, dass Du als Leinwand für seine Projektion dienen darfst.

Du könntest ihn aber auch fragen, ob er Dir ein paar Beispiele geben möchte, worauf er seine Aussage bezieht.

Solltest Du mit Deinen Denk-Recherchen Recht haben und sein Film bezieht sich wirklich nicht auf Dich, wird es ihm spätestens jetzt auffallen, dass er unbewusst seinen Ärger auf Dich gelenkt hat.

Obwohl Du gar nicht in diesem Film vorkommst und nur die Leinwand bist, auf der sein Unmut angezeigt wird.

Die Filmvorführung als solche erkennen

Ich gebe gerne zu, dass es schwierig ist, sich der Dynamik dieser Filmvorführung erst einmal bewusst zu werden.

Und dann auch noch so ruhig zu bleiben, dass Du weiter überlegst, während Du möglicherweise gerade mit Vorwürfen überhäuft wirst.

Wie bei allen Coaching- und Weiterentwicklungsthemen geht es hier wieder darum, zu erkennen, was gerade passiert.

Zuerst wirst Du Dir dessen bewusst, dass der Mini-Projektor in Deinem Partner gerade läuft.

Dann merkst Du, dass gerade ein Film auf Dich projiziert wird, in dem Du gar keine Rolle spielst.

Im nächsten Schritt hinterfragst Du die Projektion, so dass hoffentlich auch Dein Partner merkt, was gerade geschieht.

Jetzt kann Dein Partner überlegen, welches Programm er gerade laufen lässt und was der Auslöser dafür sein könnte.

Projektion als Tool der Weiterentwicklung

Dabei setze ich voraus, dass Dein Partner und Du generell daran interessiert seid, konstruktiv mit solchen Dynamiken umzugehen.

Es ist eine wunderbare Gelegenheit, sich noch besser kennenzulernen und sich der Abläufe innerhalb der Beziehung noch stärker bewusst zu werden.

Und beim nächsten Mal, wenn Dein Mini-Projektor aus Versehen auf ihn gerichtet ist, spielt Ihr das Gleiche mit vertauschten Rollen durch.

Wenn Du das mit Dir und den Menschen in Deinem Umfeld übst, werdet Ihr Euch immer bewusster über das Verhalten des Mini-Projektors.

Projektion kannst Du auch positiv einsetzen

Vielleicht hast Du sogar das Glück, eines Tages den Ein- und Ausknopf für Mini-Projektor zu finden.

Dann bist Du Dir immer genau bewusst, wann Du projizierst und wann nicht.

Das setzt sehr viel Übung voraus und manchmal wirst Du vielleicht auch wieder vergessen, wo sich der Knopf befindet.

Du kannst Deinen Mini-Projektor auch gezielt positiv einsetzen.

Dann projizierst Du einen positiven Film auf Dein Gegenüber, das vielleicht gerade nicht in der Lage ist, sein Bestes zu geben.

Und weil Du es mit Hilfe Deiner Projektion schaffst, Deinem Gegenüber dennoch freundlich und positiv zu begegnen, ändert sich sein Verhalten oftmals ebenfalls zum Positiven.

Viel Freude beim Entdecken Deines Mini-Projektors und beim Üben, wann Du ihn ein- oder ausschalten möchtest.

Alles Liebe

Claudia

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