Fragmentierte Aufmerksamkeit

aufmerksam

Fragmentierte Aufmerksamkeit ist ein toller Ausdruck, oder? Den habe ich gerade von Cal Newport in seinem interessanten Buch „Konzentriert Arbeiten“ gelernt.

Dort beschreibt er unter anderem einige Studien, in denen das zutage trat, was wir Introvertierten fast täglich erleben.

Unterbrechungen bei der Arbeit, selbst wenn sie nur kurz sind, sorgen für eine erhebliche Verlängerung der Zeit, die wir für die Erledigung unserer Aufgaben brauchen.

Unterbrechungen sind hinderlich

So weit, so klar. Das hast Du als Introvertierte*r bestimmt bereits an Dir selbst und anderen beobachtet.

Doch es ist immer wieder schön, wenn unser intuitives Wissen oder Ahnen ganz offiziell von wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt wird.

Sogar wenn die Unterbrechung der Arbeit nur kurz und unbewusst wahrgenommen wird, reagiert unser Gehirn, indem es Aufgaben weniger effektiv bearbeitet.

Schon ein leises Klingeln oder ein „Pling“, das uns über den Eingang einer neuen E-Mail informiert, kann unsere Aufmerksamkeit und damit den Arbeitsfluss unterbrechen.

Besonders stark ist dieser Effekt in Großraumbüros spürbar.

Aber auch Apps, die uns direkte Nachrichten zusenden, wie WhatsApp oder andere Instant Messenger, unterbinden immer wieder unser Bedürfnis, uns tiefer und ungestörter mit einem Problem oder einer Aufgabe zu beschäftigen.

Es gibt auch Untersuchungen, die herausgefunden haben, dass wir nach einer solchen Unterbrechung bis zu 20 Minuten brauchen, ehe wir uns wieder in die Materie einer komplexen Aufgabe hineingedacht haben.

Aufmerksamkeitsunterbrechungen sind für Intros anstrengender als für Extros

Allerdings ist die heutige Arbeitswelt nahezu ausnahmslos auf Extravertierte ausgerichtet, von denen ein Teil diese Unterbrechungen sogar zu schätzen weiß.

Aus ihrer Sicht führt direkter Nachrichtenempfang zu vermehrtem Austausch und neuen Ideen sowie zu einer besseren Zusammenarbeit innerhalb eines Teams.

Aber auch die Forscher gehen davon aus, dass sich die Mehrheit der Menschen von Unterbrechungen so gestört fühlt, dass die Arbeitsleistung oder Fähigkeit, Probleme zu lösen, abnimmt.

Sobald wir die Möglichkeit haben, kompliziertere Sachverhalte nachzuvollziehen und neue gedankliche Verbindungen erstellen, uns also tiefer in eine Materie oder eine Aufgabe versenken können, tut uns das gut.

Komplexere Aufgaben finden wir erfüllender

Wenn wir uns mit größerer Konzentration unseren Aufgaben widmen können, messen wir ihnen mehr Bedeutung zu und verstehen diese Aufgaben auch als etwas, das Sinn hat und uns erfüllt.

Je tiefer wir in unsere Aufgaben eintauchen können, desto sinnhafter fühlt sich das Ergebnis für uns an.

Wir spüren, dass wir als Tiefseetaucher Lösungen finden, die an der Oberfläche schwierig auszumachen sind.

Mit der Lösung komplexer Aufgabenstellungen leisten wir unseren Beitrag.

Keine Zeit für Oberflächlichkeiten

Ein schöner Nebeneffekt ist außerdem, dass uns die Zeit für nebensächliche Sorgen fehlt, denen wir sonst eventuell mehr Bedeutung zumessen, als gut für uns ist.

Oberflächliche Ablenkungen wie News über Stars, Film und Fernsehen oder Politik, die sonst so gerne unsere Aufmerksamkeit erhaschen, werden auf diese Weise unwichtig.

Wenn wir uns darauf besinnen, uns um Aufgaben zu kümmern, die für uns, unsere Arbeit oder unsere Familie wichtig sind, gewinnen wir Zeit, die uns sonst fehlen würde.

Aufmerksamkeitsrückstand entsteht

Interessant ist auch der Ausdruck „Aufmerksamkeitsrückstand“, den Cal Newport in seinem Buch verwendet.

Dieser Rückstand an Aufmerksamkeit entsteht immer dann, wenn wir bei der Erledigung einer Aufgabe unterbrochen werden und die Aufgabe daher nicht zu Ende bringen können.

Dann bleibt ein Teil unserer Aufmerksamkeit immer noch bei der ursprünglichen Aufgabe, während wir uns um die Unterbrechung kümmern.

Vergleichen kannst Du das mit einem neuen Fenster, das sich plötzlich auf Deinem Bildschirm öffnet.

Im Arbeitsspeicher des PCs ist immer noch das Programm oder die App geöffnet, in der Du gerade gearbeitet hast, aber die unterbrechende Aufgabe schiebt sich als neues Fenster vor das bisherige.

Entscheide, welche Aufgabe zuerst erledigt werden soll

Je nachdem, wie „dringend“ das neue Fenster die Angelegenheit aussehen lässt, sollst Du Dich erst einmal um das neue Problem kümmern.

Oder Du triffst eine Entscheidung und bringst das neue Fenster in den Hintergrund, um die bisherige Aufgabe fertigzustellen.

Manchmal geht das nicht und Du solltest Dich erst um die Unterbrechungsaufgabe kümmern.

Das ist gerade im Arbeitsleben oder in der Familie eine Situation, die ständig vorkommt.

Sei Dir dabei allerdings bewusst, dass Dir nicht Dein kompletter Arbeitsspeicher zur Verfügung steht, da ein Rest Deiner Aufmerksamkeit auch unbewusst noch immer mit der anderen Aufgabe beschäftigt ist.

Wieder in komplexere Aufgaben einzusteigen dauert seine Zeit

An sich ist das nicht schlimm, wir arbeiten dann einfach eine Aufgabe nach der anderen ab.

Allerdings wird es so nicht gut möglich sein, komplexere Aufgaben zu erledigen, weil es einfach zu viel Zeit in Anspruch nimmt, wieder in das komplexe Aufgabengebiet einzusteigen.

Für solche komplexen Aufgaben ist es daher gut, wenn Du einen gewissen Zeitblock einplanen kannst, in dem Du solche Aufgaben möglichst ohne Unterbrechung erledigen kannst.

Du wirst feststellen, dass Du so plötzlich mehr Zeit zur Verfügung hast, weil Du Dich nicht mehrmals wieder von neuem in die Aufgabe eindenken musst.

Mich haben die Ideen zu Aufmerksamkeitsrückstand und fragmentierter Aufmerksamkeit überzeugt.

Kannst Du Dir auch eine hilfreiche Idee daraus ableiten, wie Du in Zukunft mit Deinen Aufgaben umgehen möchtest?

Ich wünsche Dir, dass Du so oft wie möglich unterbrechungsfrei arbeiten kannst.

Alles Liebe

Claudia

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