Kritik als Geschenk annehmen

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Wie soll das gehen?

Kritik als Geschenk anzunehmen fällt wahrscheinlich den meisten Menschen eher schwer.

Wenn Du jedoch genauer hinschaust, steckt in jeder Kritik zumindest ein kleines Geschenk.

Mit Geschenken ist es generell so eine Sache.

Einerseits sind sie meistens nett gemeint, andererseits treffen sie manchmal nicht Deinen Geschmack.

Hilfreich oder nicht?

Mit Kritik verhält es sich ähnlich, allerdings mit anderen Vorzeichen.

Oft ist Kritik nicht unbedingt nett gemeint und hat doch ein kleines Geschenk im Gepäck, aus dem Du etwas lernen kannst.

Jede Art von Kritik kannst Du einteilen in hilfreich oder nicht hilfreich.

Diese Unterscheidung trifft es aus meiner Sicht etwas genauer als von „negativer“ und „konstruktiver“ Kritik zu sprechen.

Nicht jede negative Kritik ist das Gegenteil von hilfreich und bei weitem nicht jede konstruktiv (gemeinte) Kritik ist hilfreich.

Fragen zum Erkennen des Geschenks

Kritik stammt vom griechischen kritikós, was „entscheidend, zur Entscheidung gehörig, zum (Be-)Urteilen gehörig“ bedeutet.

Der Kritik-Übende beurteilt also, was Du tust oder sagst.

Jetzt kommen mehrere Faktoren ins Spiel, die es wahrscheinlicher machen, dass Du das möglicherweise enthaltende Geschenk in einer solchen Beurteilung annehmen kannst.

Dazu kannst Du Dir die folgenden Fragen stellen:

  1. Kennt der Kritiker Dich und Deine Beweggründe und ist er daher in der Lage, eine informierte Beurteilung vorzunehmen?
  2. Hast Du signalisiert, vielleicht sogar unbewusst, dass Du eine Beurteilung erhalten möchtest?
  3. Kann der Kritiker insofern eine Beurteilung vornehmen, als dass er selbst das Thema beherrscht?
  4. Gibt es bestimmte Beweggründe, aus denen der Kritiker seine Beurteilung abgegeben haben könnte?
  5. Liegt Dir die Meinung speziell dieses Kritikers am Herzen?
  6. Ist die Kritik so detailliert formuliert, dass Du mit ihr etwas anfangen kannst?
  7. Hat die Kritik neutral betrachtet einen Nutzen und ist sie hilfreich für Dich?

Wenn Du auf all diesen Fragen mit „Ja“ antworten kannst, dann ahnst Du es sicher schon.

Du bist auf einen Kritiker gestoßen, der Dir tatsächlich mit seiner Kritik ein Geschenk gemacht hat, bewusst oder unbewusst.

Genau dies ist die hilfreiche Kritik, die ich oben angesprochen habe.

Ob Du das Geschenk annimmst, ist Deine Entscheidung

Auch hilfreiche Kritik kann ungeschickt formuliert und schmerzhaft in ihrer Wirkung sein.

Aber Du erkennst, wie wertvoll das Geschenk ist, das diese Kritik in sich birgt.

Dieses Geschenk kannst Du jetzt annehmen oder auch nicht, das ist allein Deine Entscheidung.

Wenn Du auf einige Fragen mit „Nein“ geantwortet hast, kannst Du noch einmal näher hinschauen.

Dann überlegst Du Dir, ob trotz der nicht besonders hilfreichen Natur der Kritik dennoch ein – vielleicht nur kleines – Geschenk versteckt ist.

Fragen zu wenig hilfreicher Kritik

Selbst in den Fällen, wo Du alle Fragen mit „Nein“ beantwortet hast und es sich nach dieser Definition eindeutig nicht um hilfreiche Kritik handelt, besteht noch eine Chance auf ein Geschenk.

Dann könntest Du Dir nämlich die folgenden Fragen stellen und der Kritik etwas abgewinnen.

  1. Was könntest Du im Kritiker zum Schwingen gebracht haben, dass er sich veranlasst sah, Dich zu kritisieren?
  2. Welche Art von Kritik empfindest Du als Herausforderung?
  3. Hat der Kritiker aus irgendeinem Grund noch „eine Rechnung offen“ und zeigt Dir das auf diese Weise?
  4. Auf welche Weise möchtest Du nicht kritisiert werden?
  5. Auf die Kritik welcher Menschen kannst Du verzichten?
  6. Wie schnell kannst Du negative Kritik ablegen?
  7. Möchtest Du Dich in Zukunft vor solcher Kritik schützen und wie kannst Du das bewerkstelligen?

Lauter Geschenke, wenn Du genauer darüber nachdenkst.

Einladung zum Wachstum

Kritik ist immer eine Einladung zum Wachstum, ganz gleich, ob sie mehr oder weniger hilfreich aussieht.

Wenn Du in einem stillen Kämmerlein vor Dich hinleben und nie auf eine andere Meinung oder Beurteilung treffen würdest, wäre Dein Kämmerlein in kürzester Zeit eine Echokammer.

Dort hörst Du dann nur Deine eigene Stimme und nichts anderes.

Das ist eine recht trostlose Vorstellung, findest Du nicht auch?

Daher sind die Geschenke durch die Kritik von anderen Menschen auch so wertvoll.

Sie zeigen Dir, wie Dein Tun und Sein im Außen wirkt.

Kritik als Geschenk zu sehen bedeutet Reife

Das heißt nicht, dass andere Menschen besser wissen, was richtig oder falsch, gut oder schlecht ist.

Es bedeutet nur, dass wir im Zusammenleben mit Menschen immer auf Kritik und damit Beurteilung stoßen werden.

Aber wir entscheiden, die Geschenke anzunehmen und etwas mit ihnen zu machen.

Oder – im Fall von unangebrachter Kritik, die Dir nur eins auswischen will oder Dich zurechtstutzen soll – sie guten Gewissens zu entsorgen.

Daneben gegangene Geschenke

Auch aus dieser Art von Geschenken kannst Du noch etwas lernen:

Du weißt nämlich, wie hilfreiche Kritik aussehen kann und kannst sie Deinerseits als Geschenk machen.

Sofern Dein Gegenüber sie haben möchte.

Meistens ist es eine gute Idee, erst zu fragen, ob Du Kritik schenken darfst.

Dann sind beide Seiten auf die Beurteilung gefasst, die Kritik Schenkende und die Kritik Empfangende.

Viel Freude beim Auspacken der Kritik-Geschenke, die Du in Zukunft erhältst.

Alles Liebe – Claudia

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