Negative Gefühle akzeptieren

Gefühle

Nachdem ich Dir vor kurzem den Tipp zum Umgang mit Ärger von Martin Seligman gegeben habe, möchte ich Dir noch ein paar vertiefende Gedanken über negative Gefühle näherbringen.

Ganz typisch introvertiert habe ich noch intensiver darüber nachgedacht und das Ergebnis möchte ich gerne mit Dir teilen.

Akzeptanz von Gefühlen macht sie weicher

Ganz generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mir leichter fällt, mit negativ empfundenen Gefühlen wie Angst, Wut oder Ärger umzugehen, wenn ich sie akzeptiere.

Das ist nicht immer mein erster Impuls, sobald ein solches Gefühl aufsteigt.

Daher hilft es, wenn ich mich an die Abfolge des 3-Schritte-Prozesses aus diesem Artikel erinnere.

Das ist schon mal ein guter Startpunkt, der dann jedoch noch erfolgversprechender ist, wenn die Akzeptanz als ein vorgeschalteter Schritt dazukommt.

Negative Gefühle willkommen heißen

Bei Ärger könnte das so aussehen, dass in dem Moment, wo eine Ärgerwelle meinen Bewusstseinsstrand erreicht, ich sie als erstes willkommen heiße.

Bei Angst und Wut funktioniert das genauso.

So ruhig wie möglich sage ich dann innerlich zu mir „Willkommen Angst“ oder „Willkommen Wut!“.

Das gibt mir sofort das Gefühl, dass ich nicht einfach nur reagiere, sondern das Gefühl bewusst beantworte.

Nehmen wir an, die Angst oder die Wut nimmt Anlauf, um Dich umzuwerfen.

Du nimmst sie wahr und breitest in Gedanken die Arme aus, damit sie sich gesehen und akzeptiert fühlt.

Die Intensität schwächt sich ab

So merkwürdig das auch klingen mag, das Gefühl wird in diesem Moment zwar nicht weniger stark, aber durch Deine Offenheit und Akzeptanz wird es dennoch abgeschwächt in seiner Intensität.

Wenn Du das noch nie ausprobiert hast, denkst Du wahrscheinlich, dass das gar nicht funktionieren kann.

Daher bitte ich Dich, das Ganze wie ein Forscher anzugehen und es als Feldversuch einmal zu testen.

Allein schon die Vorstellung, dass da Wut, Angst oder Ärger als Wesen auf Dich zuläuft, das versucht, Dich umzuwerfen, hat schon etwas Lustiges an sich.

Wie ein trotziges Kleinkind rennen Gefühle auf Dich los

Besonders hilfreich ist es, wenn Du Dir ein negatives Gefühl als extra schlecht gelauntes Kleinkind im Trotzalter vorstellst.

Das Kleine weiß nicht wohin mit seiner Energie und möchte Dich dazu bringen, das zu tun, was es will.

Sobald Du die Arme öffnest, um es willkommen zu heißen, hört es zwar nicht sofort mit dem Trotzanfall auf, es merkt aber, dass Du es so annimmst, wie es gerade ist.

Dadurch verändert sich die Qualität des Ansturms auf Dich, sie wird weicher.

Du schaust zu, wie die Kraft des Gefühls leicht nachlässt und kannst so besser mit ihm umgehen.

Schnell Umschalten ist gefragt

Ein Gefühl steigt innerhalb von Sekunden in uns auf.

Daher ist es wichtig, dass Du schnell umschaltest.

Weg von reiner Reaktion und dem Durchleben des Gefühls, ohne es zu akzeptieren hin zu Beantworten und willkommen heißen.

Falls Du das bisher noch nie erforscht hast, könnte es ein paar Übungsanläufe brauchen, bis es Dir gelingt.

Interessant wird es dann, wenn Du diese Beantwortungsweise auf Gefühlswellen verinnerlicht hast.

Denn das ermöglicht Dir, erst einmal in die Akzeptanz zu gehen und damit Zeit zu gewinnen, um in Ruhe den 3-Schritte-Prozess abzuarbeiten.

Das wird dann viel leichter als nur der Prozess alleine.

Die Beantwortung darf eingeübt werden

Mit dieser Vorgehensweise habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und kann sie Dir sehr empfehlen.

Klappt das immer?

Natürlich nicht, denn schließlich sind wir Menschen.

Ab und zu meldet sich auch ein trotziger Anteil in uns, der sich auch mal von einer Gefühlswelle davontragen lassen will.

Weil er gerade keine Energie übrig hat für Nettsein und willkommen heißen.

Und auch das kannst Du wunderbar für Dich nutzen.

Dann hat zwar das Gefühl dieses Mal „gewonnen“, aber Du erkennst Deinen trotzigen Anteil und das ist auch schon eine Leistung.

Dieses Bewusstmachen von inneren Anteilen und das Weggehen von automatischer hin zu bewusster Reaktion ist bereits ein Fortschritt.

Mit der Zeit wird es Dir gelingen, Dich früher abzufangen und das willkommen heißen immer besser einzuüben.

Bis es Deine Art der Antwort auf schlechte Gefühlswellen wird.

Ich wünsche Dir viel Freude beim Einüben und Ausprobieren.

Alles Liebe

Claudia

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