Post mortem – Reanimiert

Der letzte Blogeintrag vor diesem datiert auf den 01. September 2020.

Heute, genau einen Monat später, versuche ich immer noch zu verstehen, was am Abend jenes Tages geschehen ist.

Einerseits möchte ich Dir erzählen, was vorgefallen ist, andererseits fällt es mir schwer, da ich das Erlebnis noch immer nicht komplett verdaut habe.

Alle Systeme waren abgeschaltet

Kurz gesagt: Ich war einige Minuten weg.

Also so richtig, nicht mehr unter den Lebenden, mit Herz- und Atemstillstand.

Und ich hatte das unglaubliche Glück, dass meine Lebenskerze in genau diesem Umfeld ausgepustet wurde, in dem ich an diesem Abend war.

Meiner Lebensretterin, die mich reanimiert hat, bin ich unglaublich dankbar.

Sie hat sofort den Ernst der Lage erkannt und mich wieder ins Leben zurückgeholt.

Dieses Erlebnis ist für mich so unwirklich, dass ich bis jetzt noch nicht genau weiß, wie ich damit umgehen werde.

Erst einmal ins Krankenhaus

In den ersten acht Tagen nach meinem Herzstillstand war ich im Krankenhaus und tauchte dort total in die Krankenhaus-Trance ein.

Sie war geprägt von Untersuchung nach Untersuchung und den festen Abläufen des Krankenhaus-Alltags.

Daneben war ich damit beschäftigt, meiner Familie beruhigende WhatsApp-Nachrichten zu schreiben und ab und zu mit meinen Kindern und meinem Mann zu telefonieren.

So vergingen Stunde um Stunde, Tag um Tag.

Immer neue Übergangs-Diagnosen wurden gestellt und nachdem sich so langsam herauskristallisierte, dass es keinen echten Grund für mein Erlebnis zu geben scheint, durfte ich wieder nach Hause zu meiner Familie.

Der erste Blogartikel Post mortem

Abgesehen von kleineren Kreislaufproblemen geht es mir gut und heute fühle ich mich so stabil, dass ich den ersten Blogartikel Post mortem schreiben möchte.

Post mortem, also nach dem Tod, kann ein Mensch normalerweise keine Blogartikel mehr verfassen.

Umso dankbarer bin ich, dass ich gerade hier an meinem Laptop sitzen und eben doch diesen Blogartikel schreiben darf.

Ins Nichts fallen

Eine Erkenntnis, die ich aus meinem Erlebnis mitgebracht habe, ist diese:

Wenn Du das Glück hast, mitten aus dem Leben gerissen zu werden, ohne es zu merken, dann wird der Tod zumindest für Dich nicht schlimm.

Solltest Du ohne Schmerzen, ohne jegliche vorherige Ankündigung das Lebenslicht ausgelöscht bekommen, hast Du nichts zu befürchten.

Du merkst nichts, Du fällst ins Nichts, Du spürst nichts, so habe ich es erfahren.

Raumschiff Erde setzt die Reise fort

Das Tröstliche ist, dass die Welt sich weiterdreht.

Und es hilft ungemein, sich daran festzuhalten.

Die Sonne geht weiter auf, der Wind raschelt weiter durch die Blätter der Bäume und die Schatten werden länger, bis sich die Sonne wieder hinter dem Horizont versteckt, um sich auf den Weg ans andere Ende der Erde zu machen.

Alle Menschen machen genau so weiter, als wäre nichts geschehen.

Und für sie stimmt das ja auch.

Noch einmal davongekommen.

Genieß Dein Leben

Meine Dankbarkeit richtet sich vor allem darauf, dass ich meine Kinder und meinen Mann weiter in diesem Leben begleiten darf.

Wie lange, weiß keiner von uns, zum Glück.

Das, was ich Dir aus dieser Erfahrung heraus ans Herz legen möchte ist:

Genieß Dein Leben und Deine Zeit mit Deinen Lieben.

Gönne Dir das, was Dir gut tut.

Hör auf Deinen Körper, wenn er Dir sagt, dass etwas nicht stimmt.

Überlege Dir täglich, wofür Du heute dankbar bist.

Wovon möchtest Du mehr in Deinem Leben, wovon weniger?

In den nächsten Tagen, Wochen und Monaten werde ich sicher noch einige Erkenntnisse aus meinem Erlebnis gewinnen und vielleicht dann auch das ein oder andere mit Dir teilen.

Ich höre jetzt noch mehr auf meinen Körper und meine Seele als vorher und gönne mir die Pausen, die ich brauche.

Ob ich es schaffe, wieder jeden Tag einen Blogartikel zu schreiben, werde ich sehen.

Für heute wünsche ich Dir, dass Du Dein Leben in all seinen Facetten zu schätzen weißt.

Und dass Du es Dir so einrichten darfst, dass Du es genießen kannst.

Alles Liebe

Claudia

3 Kommentare zu „Post mortem – Reanimiert“

  1. Liebe Claudia,

    ich freue mich so, dass es dir wieder besser geht. Alles Liebe und weiterhin gute Besserung wünsche ich dir!

    Herzliche Grüße
    Seval

    1. Meine liebe Claudia, vor 5Jahren im Oktober riß mich ein arger Drehschwindel ins Nichts der Bewusstlosigkeit aus der ich erst wieder zu mir kam als mein Arm kribbelte. Er war eingeschlafen weil ich auf der Seite lag. Beim Sturz spürte ich nicht dass mir der re.. Knöchel brach und ich am Hinterkopf eine Beule hatte. Erst nach 3 Stunden ließ ich mich ins Krankenhaus bringen. Es zeigte sich dass ich einen Herzschrittmacher brauchte, der genau 1 Woche vor Weihnachten eingesetzt wurde. Mit ihm lebe ich besser als zuvor. Am 22. Oktober darf ich den Jahrestag meiner „Wiedergeburt“ feiern. Ich denke gewiß an Dich und freue mich dass auch Du noch SEIN darfst. Du wirst in Zukunft ein anderer Mensch sein, Deine Gedanken werden sich immer wieder um dieses tiefgreifende Ereignis drehen, um die Tatsache dass Dir das Leben neu geschenkt wurde. Gottes Segen für Dich und Deine Familie wünscht Dir Gisela
      Müdigkeit.

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