Sich selbst in eine Ecke stellen

Ja, das gibt es tatsächlich:

Erwachsene Menschen, die sich selbst so einengen in ihren Ansichten und ihren Beurteilungen anderer Menschen, dass sie sich damit selbst keinen Gefallen tun.

Ein Blogger aus Amerika, den ich sehr gerne lese, weil er viele schlaue Dinge zu sagen hat, hat mir gerade vor Augen geführt, wie sehr er sich selbst einengt.

In seiner Denkweise und auch wie er andere Menschen behandelt.

Er selbst hält sich für einen intelligenten, aufgeklärten Menschen, der vieles in der Welt versteht und durchschaut.

In vielen Themen hat er eine andere Meinung als andere und findet es auch wichtig, dass Andersdenkenden mit Respekt begegnet werden sollte.

Das ist eine sehr schöne Herangehensweise, wie ich finde.

Andere aufgrund einer anderen Meinung ausgrenzen?

Doch jetzt hat er mehrfach Blogartikel verfasst, in denen er eine bestimmte Gruppe von Menschen verunglimpft und als absolut untragbar für sein soziales Umfeld bezeichnet.

Es steht ihm natürlich frei, so zu denken und bestimmte Menschen aus seinem Bekannten- und Freundeskreis zu entfernen.

Spannend finde ich allerdings, dass er sich dabei – aus meiner Sicht – erstens widerspricht und zweitens damit Menschen aus seinem Umfeld entfernt, mit denen er nur in diesem einen Thema nicht übereinstimmt.

Es gibt sicher Themen, bei denen auch ich so drastisch reagieren würde.

Doch das Thema, das ihn so sehr bewegt, ist eine reine Befindlichkeit.

Ich bin sehr erstaunt, dass er, der sich für so weit vorangeschritten auf Gebieten wie Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität empfindet, einen solchen Hass und so große Abneigung gegen Andersdenkende in diesem Thema entwickeln kann.

Das, was uns an anderen stört ist als Schatten in uns

Genau das, was uns an anderen als so unmöglich auffällt, ist auch als Schatten in uns vorhanden.

So erklären es Psychologen und Psychotherapeuten.

Es ist tatsächlich so, dass wir uns schwertun, Dinge an anderen zu akzeptieren, die wir – zumindest in bewusstem Zustand und aus einer Entscheidung heraus – niemals tun würden.

Wenn Du zum Beispiel ein sehr ehrlicher Mensch bist und damit Wahrheit für Dich einer Deiner Kernwerte im Leben ist, wirst Du wahrscheinlich Schwierigkeiten mit Menschen haben, die ohne Not immer wieder lügen.

Und dennoch bist Du fähig zu lügen.

Du lehnst Lügen ab, weil Du für Dich beschlossen hast, Dich an die Wahrheit zu halten.

Wenn Du in Dich hineinhörst, spürst Du, dass Lügen Deiner angenommenen Natur widersprechen.

Da Du Dich für die Wahrheit entschieden hast, wird für Dich ein Mensch, der lügt, nicht so einfach anzunehmen sein.

Doch Du weißt, dass auch Du des Lügens fähig bist.

Und im Leben mag es sogar an manchen Stellen notwendig sein, diese Fähigkeit einzusetzen, zum Beispiel unter Lebensgefahr.

Du kannst Deinen Schatten akzeptieren

Daher wirst Du vielleicht bei näherem Nachdenken in der Lage sein, diesem Menschen eine Chance zu geben.

Du nimmst ihn so an, wie er ist und rechnest damit, dass Du hin und wieder angelogen wirst.

Ob es eine gute Idee ist, diesen Menschen, den Du ansonsten für seinen Charme, seine anderen Werte, die mit Deinen übereinstimmen oder seinen Beitrag zur Gesellschaft schätzt, komplett aus Deinem Leben zu streichen, weißt nur Du.

Mir kommt es schwierig vor, einen Menschen nur aufgrund seiner menschlichen Fehler wie Lügen oder Einstellungen zu bestimmten Themen auszugrenzen.

Natürlich suchen wir nach Übereinstimmung, besonders bei unseren Freundschaften und in der Familie.

Doch im Umfeld von Nachbarschaft oder Bekanntenkreis ist es aus meiner Sicht ganz in Ordnung, wenn Menschen eben ganz anders denken und Fehler machen, die sich nicht gegen Gesetze richten.

Wir alle sind menschlich und machen Fehler

Interessant finde ich es eben, wenn sich jemand, der sich schon viel weiter als andere Menschen wähnt, selbst auf ein Podest stellt.

Und dann von dort oben alle anderen, die seinen Ansprüchen nicht genügen, verdammt und aus seinem Umfeld verjagt.

Denn das tut dieser Blogger tatsächlich.

Er sagt ganz klar:

Wenn Du seine Meinung zu dem Thema nicht teilst, sollst Du Dich gefälligst von seinem Newsletter abmelden und ihn bei Facebook als Freund entfernen.

Das ist selbstverständlich seine Entscheidung, allerdings fällt mir dabei die Diskrepanz zwischen dem, was er darstellen möchte (weit entwickelt sein und als Mentor für andere fungieren) und wie er sich im Gegensatz dazu verhält ganz stark ins Auge.

Ich wünsche Dir, dass Du in Deinem Umfeld viele nette Menschen hast, bei denen Du ihre möglicherweise anderen Ansichten akzeptieren und über ihre menschlichen Fehler hinwegsehen kannst.

Alles Liebe

Claudia

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