Vergebung als Wundertüte

Wundertüte

Kennst Du noch die Wundertüten aus Deiner Kindheit?

Meistens waren das kleine Papiertüten, bei denen von außen nicht zu erkennen war, was sie im Inneren versteckt hielten.

Es konnten also wirklich kleine Wunder in den Tüten stecken.

Oder zumindest das, was wir damals als Wunder wahrgenommen haben.

Kleine Spielzeuge, Stifte, Blocks oder Süßigkeiten.

Die Wundertüten konnten uns Kinder mit kleinsten Mitteln erfreuen und waren eine nette Idee, die schon viele Kinderaugen zum Leuchten gebracht hat.

Eine Wundertüte, die ein echtes Wunder enthält

Heute biete ich Dir eine Wundertüte an, die vielleicht sogar ein echtes Wunder hervorbringen kann.

Dabei denke ich an Vergebung, die Du einem Menschen, einer Situation oder auch Dir selbst schenkst.

Dabei bist Du der Empfänger der Wundertüte und wirst erst beim Auspacken spüren, ob die Vergebung bei Dir Wunder hervorruft oder nicht.

Vielleicht fällt Dir spontan ein Mensch ein, dem Du noch eine Sache nachträgst, die schon vor längerer Zeit geschehen ist.

Vielleicht gibt es auch eine Erfahrung oder eine Situation in Deinem Leben, mit der Du noch nicht abgeschlossen hast, weil Du Dir oder den daran beteiligten Menschen nicht vergeben kannst.

Starte mit einem kleinen Anliegen

Bevor wir in die Übung einsteigen, die ich Dir dazu ans Herz legen möchte, bitte ich Dich darum, Dir erst einmal ein kleineres Anliegen zur Vergebung auszusuchen.

Wenn Du später Erfahrung mit der Übung hast, kannst Du auch größere Vergebungs-Anliegen bearbeiten.

Und bevor es losgeht, schauen wir uns noch kurz an, wie das Nicht-Vergeben-Können sich auf Dauer bemerkbar macht.

Nicht-Vergeben-Können als Staub-Wasser-Suppe

Stell Dir ein durchsichtiges Gefäß vor, das Platz für etwa einen halben Liter Wasser hat.

Die Situation, um die es bei Deiner Vergebungs-Übung gehen soll, wird durch das Wasser im Gefäß repräsentiert.

Das Wasser ist der Rahmen, innerhalb dessen sich die Situation abspielt.

Jetzt gibst Du die Zutaten wie Handlungen, Worte, Gedanken und Gefühle zur Situation hinzu und rührst kräftig um.

Jede Handlung, jedes Wort, Gefühl und jeder Gedanke zeigen sich als Staubpartikel, die im Wasser schwimmen.

Du siehst zu, wie die Staub-Wasser-Suppe sich wild im Glas dreht und merkst, dass vom ehemals klaren Wasser nichts mehr übrig ist.

Der Sturm im Wasserglas wird immer wieder aufgerührt

Nach einer ganzen Weile setzen sich die Staubpartikel am Grund des Gefäßes ab und das Wasser wird wieder klar.

Im übertragenen Sinn legt sich der Sturm, Deine Gedanken beruhigen sich und die Situation ist wieder neutral.

Bei einer unangenehmen Situation gehst Du jedoch jedes Mal, wenn Du an sie denkst, mit einem Löffel zum Gefäß.

Du rührst ordentlich darin herum und das Wasser wird wieder trübe.

Manchmal fallen beim Rühren sogar noch mehr Staubpartikel aus Erinnerungen in das Gefäß und machen das Wasser noch trüber als vorher.

Dann schiebst Du die Erinnerung an die Situation wieder für eine Weile weg, stößt aber früher oder später beim Nachdenken immer wieder auf dieses Glas und rührst um.

Das Gefäß möchte weggeräumt werden

Damit kannst Du mit dieser Situation nicht abschließen.

Stattdessen wäre es hilfreich, wenn Du das Gefäß nimmst, es ausschüttest, gründlich ausspülst und wegräumst.

Damit ist die Sache ein für alle Mal geklärt und Du spürst Erleichterung, dass Du auch in Zukunft nicht mehr über dieses Gefäß stolpern und die Staubpartikel aufwirbeln wirst.

Die folgende Übung ist einfach und dennoch sehr effektiv, wenn Du Dich auf sie einlassen kannst.

Die Vergebungs-Übung

Am besten machst Du sie, wenn Du ungestört bist.

Du brauchst etwa 5 Meter Platz in eine Richtung, um einige Punkte am Boden abgehen zu können.

Versetze Dich in einen ruhigen und möglichst liebevollen Zustand.

Du kannst auch ein Mantra wie „Ich bin zur Vergebung bereit“ oder ein Gebet sprechen, das Dir dabei hilft, Dich der Vergebung zu öffnen.

  1. Stelle Dich auf den Ausgangspunkt.
    Nimm Dir etwa 5 Blätter Papier und einen Stift zur Hand, damit Du während der Übung Notizen machen kannst.
  2. Überlege Dir das Thema, die Situation und den oder die Menschen, um die es bei der Vergebung gehen soll und schreibe es auf Blatt 1, das Du Dir zu Füßen auf den Boden legst.
  3. Stelle Dir jetzt eine oder mehrere der folgenden Fragen und beantworte sie möglichst genau. Sprich die Antworten laut aus und notiere sie dann in Stichpunkten auf Blatt 2:
    Was hält mich zurück? Was bedrückt mich? Was hindert mich?
    (in Bezug auf die Vergebung laut Deinem selbstgewählten Thema).
  4. Fühle jetzt in Deine Antworten hinein. Erkenne Deinen Teil der Verantwortung an und notiere Dir Sätze wie
    „Ich habe versäumt….“ „Ich fühle (z. B. Wut, Ärger,….)“ „Ich habe dies getan….“
    Dabei beurteilst Du nicht, sondern formulierst ganz neutral aus der beobachtenden Position. Jetzt legst Du auch dieses Blatt neben Dir auf dem Boden ab.
  5. Als nächstes triffst Du eine Entscheidung und sagst zum Beispiel:
    „Ich lasse diese Situation jetzt los“
    „Ich tue das nicht mehr“ oder
    „Ich will das nicht mehr“
    und gehst bewusst einen Schritt nach vorne.
  6. Ab hier wiederholst Du mit verschiedenen Aspekten zum gleichen Thema die Schritte 3. bis 5. ein paar Mal. Das Blatt mit den entsprechenden Notizen legst Du jedes Mal Dir zu Füßen auf dem Boden ab, bevor Du einen Schritt nach vorne machst.
    Die Übung wiederholst Du so lange, bis Du das sich ausbreitende Gefühl der Erleichterung deutlich spürst.

Eventuell – je nach Tiefe des Gefühls von Nicht-Vergeben-Können kann es notwendig sein, dass Du die Übung mit dem gleichen Thema noch ein oder zwei Mal wiederholst.

Wenn Du bereit warst, das Thema wirklich gehen zu lassen und ihm Deine Vergebung zu schenken, wirst Du Dich wie befreit fühlen, richtig WUNDERVOLL.

Damit hat sich das Versprechen, dass Vergebung eine Wundertüte ist, erfüllt.

Ich wünsche ich Dir von ganzem Herzen, dass Du mit Hilfe dieser Übung einige Deiner trüben Gefäße, über die Du immer wieder stolperst, wegräumen kannst.

Alles Liebe

Claudia

P.S.: Die Idee zur Übung hatte ich beim Lesen eines Buches von Peter Reiter

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