Verhandlungen mit dem inneren Boykotteur

boykotteur

Auf Dauer ist es gar nicht so leicht, fokussiert auf das zu sein, was gerade anliegt.

Vor allem, wenn da ein innerer Boykotteur sein Unwesen treibt.

Obwohl Du weißt, dass es gut ist, Deine Aufmerksamkeit zu bündeln und auf eine Sache zu richten, will es nicht so richtig klappen.

Ein innerer Teil von Dir boykottiert Dich

Einerseits ist Dir klar, dass Du eine Aufgabe schneller und auch mit weniger Energieaufwand erledigst, wenn Du aufmerksam bist.

Andererseits gibt es da so viele Gedanken, die Dir gerade einfallen.

Da ist noch so viel anderes zu erledigen, außerdem bist Du müde, gerade nicht in Stimmung oder hast Lust auf einen Kaffee.

Wie wäre es mit einem Eis oder einem Stück Kuchen?

Die Aussicht darauf klingt viel netter als die Aufgabe, die erledigt werden möchte.

Wenn Du es jetzt schaffst, den Teil in Dir zur Mitarbeit zu bewegen, der sich um die Aufgabe drücken will, wird es leichter.

Bitte Deinen inneren Boykotteur um Mitarbeit

Dafür kannst Du erst einmal den Teil befragen, was er denn gerade dagegen hat, die Aufgabe zu erledigen.

Das kommt Dir vielleicht etwas seltsam vor, wenn Du dem Boykotteur in Dir das Mikro hinhältst, um seine Stimmung einzufangen.

Schließlich erschwert er Dir im Moment Dein Leben und Du sollst ihn jetzt auch noch mit Deiner Aufmerksamkeit belohnen?

Es klingt wirklich nicht einleuchtend und doch ist es das.

Oft läuft dann folgendes ab:

Wenn Du die Leuchte, also das Scheinwerferlicht, auf den Boykotteur richtest, freut er sich schon mal, dass Du ihn erleuchtest.

Und ihn in Dein Blickfeld rückst und ihm damit eine Hauptrolle auf Deiner inneren Bühne zugestehst.

Er wähnt sich am Ziel, denn nun hat er die Aufmerksamkeit, die er von Dir wollte.

Der Boykotteur kommt ins Schwitzen

Was ihm nur noch nicht klar ist:

Jetzt ist er an der Reihe und muss liefern.

Du fragst ihn ganz ernst, welche Argumente er vorbringen kann, die Dir beweisen, dass die Erledigung Deiner Aufgabe im Moment nicht geht.

Möglicherweise kommt er jetzt ins Schwitzen.

Nicht nur vom Scheinwerferlicht, das auf Dauer eine echte Hitze entwickeln kann.

Nein, auch durch Deine Ernsthaftigkeit, mit der Du ihn in einen Dialog einlädst.

Sie lässt ihn erkennen, dass Du auch ernstzunehmende Antworten erwartest.

Und damit hat er wahrscheinlich nicht gerechnet.

Weil es vielleicht das erste Mal ist, dass Du ihm zuhören wirst.

Es wird ungemütlich

Als Boykotteur hatte er es sich im Hintergrund Deiner inneren Bühne so richtig bequem gemacht.

Er war immer da, hat für Unruhe gesorgt und mit seinem Hintergrundgedönse ein Grundrauschen erzeugt, das Dich immer wieder abgelenkt hat.

Von dem, was gerade dran war.

Von den Aufgaben, die Du ursprünglich erledigen wolltest.

Boykottieren macht schließlich richtig viel Spaß!

Vor allem bei gutmütigen Menschen, die sich durch Nebengedanken und dazwischengeworfene Stichworte leicht ablenken lassen von dem, was auf der Bühne geplant war.

Und jetzt das!

Echte Argumente erwünscht

Der Boykotteur begreift langsam den Ernst der Lage und kommt ins Stammeln.

Das war fast zu erwarten, denn es ist ein Unterschied, ob jemand für Grundrauschen zuständig ist, oder ob er echte Argumente vorzuweisen hat.

Du gibst ihm ganz offiziell die Chance, sich Gehör zu verschaffen und das überfordert ihn maßlos.

Vielleicht gelingt es ihm, ein halbherziges Argumentchen hervor zu zaubern, das sich bei genauerem Hinsehen in Luft auflöst.

Ihm wird mehr und mehr klar, was er da heraufbeschworen hat.

Zumindest dieses Mal ist die Ablenkerei und das Boykottieren gründlich schief gelaufen.

Kooperation wird möglich

Das ist jetzt Deine Chance:

Du bittest ihn, Dich in Ruhe an Deiner Aufgabe arbeiten zu lassen, da er ja offensichtlich nichts Wichtiges vorzuweisen hat, das vorher erledigt werden soll.

Der Boykotteur weiß, wann es an der Zeit ist, sich zurück zu ziehen und er sagt Dir zu, Dich für heute in Frieden zu lassen.

Herzlichen Glückwunsch, das hat doch gut funktioniert, oder?

Wenn Du für Dich erkannt hast, dass das Verhandeln mit dem Boykotteur in Dir geklappt hat, könntest Du Dir eine Strategie überlegen, wie Du auf Dauer mit ihm zusammenarbeiten kannst.

Du planst die zukünftige Zusammenarbeit

Da Dein Boykotteur ein Teil von Dir ist, kann ich Dir leider keine allgemeine Anleitung geben, wie Eure Zusammenarbeit aussehen könnte.

Du darfst da selbst ein paar Experimente durchführen und schauen, was Deinen Boykotteur zur Kooperation bewegt.

Vielleicht möchte er einfach jedes Mal, wenn er Deine Aufmerksamkeit sucht, gehört und gesehen werden.

Möglicherweise reicht das schon aus. Eventuell darfst Du ihm auch etwas anderes zu tun geben, während er Dich arbeiten lässt.

Dann stellst Du ihm eine Belohnung in Aussicht, die Du ihm – und damit gleichzeitg auch Dir – zu Gute kommen lässt, sobald Du die Aufgabe erledigt hast.

Das kann tatsächlich ein leckerer Kaffee, Tee oder Kuchen sein.

Oder Schokolade, die mag zum Beispiel mein Boykotteur sehr gerne.

Ich wünsche Dir ein konstruktives Gespräch mit Deinem Boykotteur und freue mich, wenn Du die richtige Art, mit ihm umzugehen für Dich herausfindest.

Alles Liebe

Claudia

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