Verständnisvoll mit Unverständnis umgehen

unverständnis

Manche Extravertierte können uns Introvertierte nicht verstehen.

Sie legen ein ausgeprägtes Unverständnis für unsere Wesensart an den Tag.

Sie wollen kein Verständnis aufbringen oder haben keine Lust, sich in uns reinzudenken. 

Das müssen sie auch nicht, solange wir verstehen, dass es möglicherweise nicht an ihnen liegt.

Das Unverständnis der Extravertierten für unsere Art – und umgekehrt

Es könnte Teil ihrer Extraversion sein, der es ihnen schwer macht.

Schließlich fühlen, denken und erleben sie die Welt auf extravertierte Art.

Und wenn die Extraversion sehr stark bei ihnen ausgeprägt ist, fehlt ihnen einfach das Verständnis für Introversion.

Umgekehrt gibt es sicher auch Introvertierte, denen Extravertierte einfach nur auf die Nerven gehen.

Und die ebenfalls keine Lust darauf haben, sich mit ihnen näher auseinander- oder zusammenzusetzen.

Das Beste aus beiden Welten machen

Doch ich möchte Dich einladen, verständnisvoll mit dem Unverständnis Deines Gegenübers umzugehen.

Denn nur dann können wir das Beste aus unseren beiden Welten zusammenbringen.

Nur dann können wir gemeinsam etwas schaffen, zu dem wir sonst nicht in der Lage wären.

Wenn wir uns den Zustand der Gesellschaften weltweit anschauen, sind die meisten ohnehin davon geprägt, die Unterschiede zu betonen.

Da werden dann unter anderem Religionen, Einstellungen, Orientierungen, Hautfarben, Staaten, Volksstämme oder Geschlechter gegeneinander ausgespielt.

Irgendwo dazwischen findet sich dann auch das Unverständnis zwischen Extravertierten und Introvertierten.

Aus dem „Gegeneinander“-Spiel aussteigen

Die große Frage lautet:

Was wäre, wenn wir aus diesem Spiel aussteigen würden?

Wenn wir einfach so, weil wir friedlich zusammenleben wollen, dem anderen Verständnis entgegenbringen?

Auch wenn die Gegenseite uns mit Unverständnis begegnet?

Wohin würde es führen, wenn wir den anderen die Friedenspfeife überreichen würden?

Um unsere Gemeinsamkeiten zu betonen und unser Menschsein zu feiern?

Das klingt vielleicht etwas naiv.

Möglicherweise findest Du das sogar völlig unrealistisch.

Friedliches Miteinander ist möglich, oder?

Da kommt mir schon die nächste Frage in den Sinn:

Was wäre, wenn ein friedliches Zusammenleben der Menschen nicht nur möglich wäre, sondern möglich ist?

Wenn ein „Friedens-Gen“ in uns eingebaut wäre, das ein Miteinander statt ein Gegeneinander vorgesehen hat?

Das fängt im Kleinen an und wir können damit beginnen, indem wir dem Unverständnis, das wir erfahren, Verständnis entgegenbringen.

Einfach so, ohne zu erwarten, dass wir eine Gegenleistung erhalten.

Um die Naivität auszuschalten, können wir sogar vorsichtshalber mit Gegenwind rechnen.

Dann rechnen wir damit, dass unser Verständnis wiederum Unverständnis hervorruft.

Und wenn wir damit schon rechnen, können wir auch gleich dafür Verständnis haben.

Langsam vorgehen

Was passiert, wenn Du jemandem, der mit hohem Kraftaufwand versucht, durch eine Tür zu brechen, die Tür öffnest?

Vermutlich wird er durch seinen Schwung erst einmal hinfallen.

Dazu kommt noch der Überraschungsmoment, weil er nicht damit rechnet, dass die Tür ohne Kraftaufwand nachgibt.

Vielleicht ist es daher eine gute Idee, wenn wir mit unserem Verständnis für das Unverständnis wohldosiert umgehen.

Wir öffnen die Tür erst einmal einen kleinen Spalt und halten ein Schild raus, auf dem steht:

Die Tür ist unverschlossen

Allein das wird Dein Gegenüber schon dazu bringen, weniger Kraft aufzuwenden.

Er wird innehalten und hoffentlich anfangen, nachzudenken.

Dieses „Die-Tür-einen-Spalt-weit-Öffnen“ könnte zum Beispiel bedeuten, dass Du nicht müde wirst, Deine introvertierten Eigenschaften zu wiederholen.

Geduldig erklärst Du einem Extravertierten immer wieder, was Introversion bedeutet.

Warum Du oder andere Introvertierte sich so und nicht anders verhalten.

Dass es nichts mit Kampf, Trotz oder Respektlosigkeit zu tun hat, wenn Du ab und zu allein sein willst.

Sondern dass es darum geht, Deine Energie wieder aufzutanken.

Unter anderem auch Deine Verständnisenergie, damit Du nachsichtig auf das Unverständnis antworten kannst, das Dir widerfährt.

Wofür es gut ist

Vielleicht fragst Du Dich, wozu Du Verständnis für das Unverständnis anderer aufbringen solltest.

Doch im Grunde weißt Du, wofür es gut ist:

Der Klügere gibt nach.

Und in diesem Fall gibt er die Richtung vor, in die er gehen will.

In eine friedvollere Zukunft.

Mit gegenseitigem Verständnis und der Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Dranbleiben zählt

Vermutlich wird Dir das nicht immer leichtfallen.

Es wird Tage geben, wo Du genervt bist und keine Verständnisenergie übrighast.

Das ist ganz natürlich, schließlich sind wir alle Menschen und jeder von uns ist auch mal überfordert.

Doch als Grundrichtung wird das viel mehr Freude und Frieden ins Leben bringen als ein ständiges Gegeneinander.

Warum solltest Du Dich an einem tieferen Niveau orientieren als an dem, das Du für Dich ausgewählt hast?

Du kannst jeden Tag neu entscheiden, dass Du verständnisvoll auf Unverständnis antwortest.

Und ich hoffe, Du machst damit ebenso gute Erfahrungen wie ich!

Alles Liebe

Claudia

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