Was das Wort „könnte“ statt „sollte“ für Dich tun kann

sollte

Hast Du Dich auch schon unzählige Male dabei erwischt, wie Du in Gedanken zu Dir sagtest: „Ich sollte jetzt (dasunddas) tun!“?

Unzählig deshalb, weil wir dazu neigen, uns diese Sollte-Sätze mehrmals am Tag zu sagen.

Wenn Du das hochrechnest, kommst Du bei nur 2-3 Sollte-Sätzen amTag auf 777 – 999 Sollte-Sätze pro Jahr!

Sollte-Sätze bedrücken uns

Das klingt nach einer Lawine an Sollte-Sätzen, die nur darauf wartet, Dich zu überrollen.

Denn irgendwie fühlt sich ein Sollte-Satz schwer an.

Er hat Gewicht.

Er bedrängt Dich und hat die Eigenschaft, Deine Laune augenblicklich fallen zu lassen.

Er klingt nach Arbeit und Anstrengung.

Die Umformulierungsübung

Kann es sein, dass eine kleine Veränderung in der Formulierung diese schwerwiegenden Eigenschaften ins Positive lenken könnte?

Das kannst Du gleich einmal ausprobieren, indem Du Dir einen Zettel und einen Stift nimmst und die folgende Sollte-Übung machst.

Du teilst das Blatt in drei Spalten.

Über die 1. Spalte schreibst Du „Wer sagt, dass ich sollte?“.

Über die 2. Spalte schreibst Du „Warum sollte ich das tun?“.

Über die 3. Spalte schreibst Du „Welche Konsequenz hat es, wenn ich das (nicht) tue?“

Du notierst Dir Deine beliebtesten Sollte-Sätze

Dann kann es losgehen und Du überlegst Dir einige Deiner beliebtesten Sollte-Sätze.

Das sind die Sätze, die gerne öfter bei Dir vorbeischauen und Dir Druck machen.

Sätze wie „Ich sollte meine Mutter/meinen Vater öfter anrufen“ oder

„Ich sollte meine Steuer machen“ oder

„Ich sollte das Bad putzen“ oder

„Ich sollte weniger essen“.

Du weißt, welche Sätze das für Dich sind und genau die dürfen auf Deinem Blatt platznehmen.

Was fällt Dir an den Sätzen auf?

Wenn Du fertig bist, schaust Du Dir die Sätze in Ruhe an.

Welche Bilder oder Erinnerungen steigen in Dir hoch, wenn Du die Sätze durchliest?

Kannst Du Dich an die Situationen erinnern, die Dich dazu gebracht haben, diesen Sollte-Sätzen einen Platz in Deinem Leben zu geben?

Bei manchen Sätzen gibt es gesellschaftliche oder sogar gesetzliche Regeln, die den Sätzen Nachdruck verleihen.

Auf die vorgegebe Weise „sollte“ diese Angelegenheit behandelt oder erledigt werden.

Bei anderen Sätzen merkst Du, dass sie sich im Laufe der Zeit eingeschlichen haben.

Sie haben sich nach und nach zu Sollte-Sätzen verfestigt.

Obwohl sie vielleicht einmal Könnte-Sätze waren.

Du formulierst die Sätze um

Damit kommen wir zum zweiten Teil der Übung.

Jetzt nimmst Du Dir die Sollte-Sätze der Reihe nach vor und formst sie zu Könnte-Sätzen um.

So wird aus den obigen Beispielen

„Ich könnte meine Mutter/meinen Vater öfter anrufen“ oder

„Ich könnte das Bad putzen“ und so weiter.

Spürst Du die Veränderung, die mit der neuen Formulierung einhergeht?

Um wieviel leichter sich der Satz jetzt anfühlt?

Und wie diese Leichtigkeit eher wie eine Einladung anstatt nach einer Drohung klingt?

Du erweiterst die Könnte-Sätze mit einer Entscheidung

Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter und verknüpfen den Könnte-Satz mit einer Ergänzung.

Bei jedem Satz überlegst Du Dir, ob überhaupt und wenn ja wann Du ihn befolgen möchtest.

Das lautet dann etwa so:

„Ich könnte meine Mutter öfter anrufen und ich entscheide mich, sie jeweils am ersten Sonntag im Monat anzurufen.“ oder

„Ich könnte das Bad putzen und entscheide mich, das jeden Samstagmorgen zu tun.“ oder

„Ich könnte die Steuer erledigen und entscheide mich, das erst in drei Monaten zu tun (vorausgesetzt, der gesetzliche Zeitrahmen lässt Dir diesen Spielraum).“

„Könnte“ wirkt wie ein Weichmacher

Das Wort „könnte“ wirkt wie ein Weichmacher, wie eine Einladung in einen Raum voller Möglichkeiten.

Damit erleichterst Du Dir die Aufgaben, die sowieso anstehen.

Sollte-Sätze wirken oft so harsch und antreibend, dass sie uns allein schon durch ihr Dasein ausbremsen.

Selbst wenn wir vorher noch an all die wunderbaren Möglichkeiten gedacht haben, die uns offenstehen.

Sobald ein Sollte-Satz unseren Weg kreuzt, verlieren wir die Lust.

„Sollte“ bremst, „könnte“ beflügelt

Das erinnert mich an meine Kindheit:

An die Wochenenden, wo ich kurz davorstand, mein Zimmer aufzuräumen, weil ich Lust dazu hatte.

Und in dem Moment kam meine Mutter und sagte „Du solltest Dein Zimmer aufräumen!“.

Autsch!

Obwohl ich gerade noch voller Vorfreude ans Aufräumen gedacht hatte, war aus der selbst ausgesuchten Aufgabe eine Sollte-Aufgabe geworden.

Meine Mutter konnte das nicht wissen, daher trifft sie dafür keine Schuld.

Allerdings war meine Laune trotzdem verdorben und das Aufräumen machte keinen Spaß mehr.

Heute kann ich darüber schmunzeln und sehen, wie sehr ich mir selbst durch Sollte-Sätze das Leben erschwert habe.

Denn auch wenn jemand von außen kommt und sagt „Du solltest …“ kannst Du das für Dich jederzeit in einen Könnte-Satz umwandeln,

Inklusive der Entscheidung, wann Du die Aufgabe erledigen möchtest.

Viel Freude wünsche ich Dir, wenn Du ausprobierst, Deine Sollte- in Könnte-Sätze umzuwandeln!

Alles Liebe

Claudia

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