Wie Du Deinen Perfektionismus zum Einlenken bewegst

Perfektionismus

Aber WIE hast Du es geschafft, dass Herr Perfektionismus wirklich abgereist ist?

Das war die allererste Frage, die mich erreicht hat, nachdem ich meinen Blogartikel „Herr Perfektionismus legt ein Sabbatical ein“ veröffentlicht hatte.

Mir wurde da erst so richtig bewusst, was für ein Glück – und vielleicht ja auch ein klein wenig Verhandlungsgeschick – ich habe, dass Herr P. (so nenne ich ihn ab jetzt) am 01.01. in seine Auszeit gegangen ist.

Ich bin gerne bereit, einen Großteil dieses gelungenen Vorhabens dem Glück zuzuschreiben.

Dennoch kann ich Dir ein paar Tipps an die Hand geben, mit denen es vielleicht auch Dir gelingt, Herrn oder Frau Perfektionismus, je nachdem, wer bei Dir das Sagen hat, zu einem verlängerten Urlaub zu bewegen.

Geduld als grundsätzliche Zutat

Das allererste, was Du brauchen wirst, ist eine große Portion Geduld! Herr P. lässt sich nämlich zu gar nichts drängen und erst recht nicht einfach mal nebenbei zu etwas überreden!

Er legt Wert auf gepflegte Unterhaltung, besondere Wortwahl und ein Gefühl für direkt auf ihn zugeschnittene, empathische Kommunikation.

Das hattest Du jetzt vielleicht nicht erwartet, weil er selbst ja – zumindest bei mir – manchmal ganz schön raubeinig, lauthals, ungefiltert und fast schon als Soziopath rüberkommt, wenn er lospoltert.

Je nach Stimmung kann er natürlich auch Nachtigallen-ähnlich flöten, um Dich dazu zu bringen, seinem Willen zu folgen.

Jedenfalls möchte er immer äußerst zuvorkommend behandelt und angesprochen werden und daher darfst Du bei Unterhaltungen mit ihm darauf achten, Deiner Wertschätzung ihm gegenüber Ausdruck zu verleihen.

Erster Schritt: Werde Dir bewusst, ob Herr oder Frau Perfektionismus bei Dir arbeitet

Als erster Schritt ist es nötig – und es wird ein längerer Prozess, also spielt auch der Faktor Zeit eine herausragende Rolle – Dir dessen bewusst zu werden, dass Du überhaupt einen Herrn oder eine Frau P. bei Dir in einer gehobenen Position (also mittleres Management aufwärts) beschäftigst.

Du weißt selbst am besten, ob das bei Dir der Fall ist, denn wenn Du einen solchen Anteil in Dir hast, ist er weder zu übersehen noch zu überhören. Bemühe Dich um eine lockere Arbeitsbeziehung zu ihm, indem Du seine Arbeit anerkennst.

Das gilt auch, wenn Du längst durchschaut hast, dass er seine Kompetenzen bei weitem überschreitet und sich selbst wie der Chef vorkommt. Aber das bist schließlich immer noch Du!

Zweiter Schritt: Fange langsam mit Aufgaben an, die Herr P. nicht zu Gesicht bekommt

Im zweiten Schritt suchst Du Dir eine Aufgabe aus, die Du ohne mit der Wimper zu zucken erledigen und abgeben kannst, auch wenn der Herr Qualitätsbeauftragte P. nicht drüber geschaut hat.

Als einfaches Beispiel nenne ich hier mal das Schreiben einer E-Mail an eine Dir wohlgesonnene Kollegin. Du hast die E-Mail kurz gegengelesen und schickst sie ab.

Normalerweise kommt Herr Perfektionismus rein und schaut noch ein drittes oder viertes Mal drüber, aber wirklich nötig ist das nicht. Diesen Schritt bemerkt Herr P. in der Regel gar nicht und es gibt keinerlei Schwierigkeiten.

Dritter Schritt: Dehne den Zeitraum aus, in denen Du Herrn P. unmerklich „frei“ gibst

Im dritten Schritt erledigst Du Deine Aufgaben für einen gewissen Zeitraum alleine, ohne Herrn P. darüber zu informieren und ihn gegenchecken zu lassen. Wenn Du mit einer Stunde pro Tag anfängst und das langsam ausdehnst, kann es ganz leicht gehen.

Je nachdem, wie hoch Dein Herr P. die Sensibilität seines Radars für das Aufspüren von Aufgaben, die ohne ihn erledigt werden, eingestellt hat, solltest Du allerdings vorsichtig sein.

Die Anzahl an Aufgaben, die Du ohne ihn erledigst, darfst Du nur unmerklich steigern und ich kann Dir da gar keine Zahl empfehlen, da ist jeder Herr P. anders unterwegs.

Vorsicht, Weggabelung!

Dieser dritte Schritt ist gleichzeitig eine Weggabelung. Wenn Du es schaffst, dass Deine Aufgaben zum Beispiel zwei Stunden pro Tag unter seinem Radar fliegen, bist Du schon sehr weit gekommen.

Wenn er misstrauisch wird, könnte es erst einmal ungemütlich werden. Aber keine Angst, er hat ja nur Dein bestes im Sinn und will einfach nicht, dass Du Dich mit unperfekt erledigten Aufgaben zufriedengibst oder Dich gar blamierst.

Erkläre ihm, dass Du Rücksicht auf ihn nimmst

Wenn Du erwischt wirst, hörst Du Dir einfach in Ruhe seine Standpauke an. Dann beruhigst Du ihn und erklärst ihm, dass er so überarbeitet wirkt und Du ihn aus Rücksicht darauf nicht mit Kleinigkeiten behelligen wolltest.

Wenn er ehrlich zu sich selbst ist, hast Du ja auch vollkommen Recht mit Deiner Einschätzung. Er ist dünnhäutig geworden und macht einen gestressten Eindruck.

Herr P. wird Deine Rücksicht zu schätzen wissen und lässt sich dann auch darauf ein, in Zukunft mehr Pausen einzulegen.

Schritt vier: Herr P. übernimmt nur noch wichtige Projekte

Schritt vier besteht dann darin, dass Du ihn wirklich nur noch bei besonders wichtigen Projekten zu Meetings hinzuziehst. Er darf dann seine ganze Expertise einbringen und mit seiner Erfahrung glänzen.

Nach solch gelungenen Kooperationen bedankst Du Dich natürlich ganz besonders herzlich bei ihm und er merkt, wie sehr er Dir eine Stütze ist.

Schritt fünf: Überzeugungsphase und Klärung der Details

Mit Schritt fünf – und es kann tatsächlich einige Wochen, Monate oder auch Jahre dauern, bis es soweit ist – beginnt dann die Überzeugungsphase für das Sabbatical.

Du klärst mit ihm, ob er bereit wäre, sich einige Zeit (und es muss ja nicht gleich ein ganzes Jahr sein wie bei mir) eine Auszeit zu gönnen.

Ihr besprecht die Details wie Rückkehrdatum, Bezahlung, Erreichbarkeit während der Auszeit und Wiedereinstiegsmöglichkeiten.

Aussicht auf Umschulung zum Zufriedenheitscoach

Bei mir ging es zusätzlich auch noch um die Frage, ob Herr P. sich die Umschulung zum Zufriedenheitscoach vorstellen könnte.

Das wäre ein komplett neues Thema für ihn und er war etwas skeptisch, ob er das in seinem Alter noch möchte. Schließlich würde das von ihm ein komplettes Umdenken verlangen.

Aber ich sagte ihm, dass ich da gar keine Bedenken hätte, denn schließlich war er bisher so ein zuverlässiger Experte, dass er aus meiner Sicht gar kein Problem damit hätte, sich ein neues Thema zu erschließen.

Als alle Details geklärt waren ging es dann auch recht schnell und wie Du weißt, ist mein Herr P. derzeit tatsächlich in seinem Sabbatical.

So richtig fassen kann ich es ja auch noch nicht, aber es hat bei mir auch viele Monate gedauert, ehe ich ihn soweit hatte.

Ich drücke Dir die Daumen, falls Du Deine*n Herrn oder Frau Perfektionismus auch bald einmal für einige Zeit in den Urlaub schicken magst, ich kann es Dir nur empfehlen!

Alles Liebe

Claudia

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