Wie viele Persönlichkeitsanteile wohnen in Dir?

Persönlichkeitsanteile

Bestimmt hast Du schon von der Theorie der Persönlichkeitsanteile gehört.

Diese Theorie wurde von mehreren Psychologen (unter anderem Roberto Assagioli) erdacht.

Sie erklärt, wie unsere Persönlichkeitsanteile funktionieren und miteinander in Konkurrenz stehen.

Du hast viele Persönlichkeitsanteile

Du bestehst also nicht nur aus einer „Persönlichkeit“, sondern aus einer Vielfalt von Persönlichkeitsanteilen.

Diese Anteile unterscheiden sich anhand von Merkmalen, wie zum Beispiel Grundstimmung, Einstellung, Laune, Eigenschaften und Verhaltensweisen.

Alle Anteile zusammengenommen bilden Deine Gesamtpersönlichkeit, die Du Dir wie einen Diamanten vorstellen kannst, der wunderschön funkelnde Facetten aufweist.

Nicht alle Facetten sind nett und positiv, es gibt auch dunkle und negative unter ihnen.

Als Gesamtpaket sind sie jedoch ein vielfältiges Geschenk, das Dich als einzigartigen Menschen ausmacht.

Übung zur Entdeckung Deiner Anteile

Heute möchte ich Dich dazu einladen, Dir über Deine wichtigsten Persönlichkeitsanteile klar zu werden und sie näher kennenzulernen.

Dazu ist es hilfreich – wie so oft – wenn Du Dir Notizen machst, um die folgenden Fragen zu beantworten.

Dafür schreibst Du zuerst eine Liste mit Deinen wichtigsten Eigenschaften oder Verhaltensweisen, über die Du mehr erfahren möchtest.

Für den Anfang reicht es, wenn Du Dir 3 – 5 von ihnen aufschreibst.

Danach gehst Du für jede Eigenschaft oder Verhaltensweise die folgenden Fragen durch:

1. Mache Dir eine Vorstellung

Versuche, ein inneres Bild von diesem Anteil entstehen zu lassen.

Wie sieht er aus?

Ist er eine Person, ein Tier, eine Pflanze, ein Gegenstand oder eine Gegend?

Bitte gehe dabei so intuitiv wie möglich vor und erzwinge nichts.

Manchmal zeigt sich ein Bild, das sich im Nachhinein noch verändert, auch das ist völlig in Ordnung.

2. Spüre hinein

Sobald das Bild des Anteils klarer ist, spüre in ihn hinein.

Welches Gefühl steigt in Dir auf, wenn Du diesen Anteil betrachtest?

3. Höre zu

Höre Deinem Anteil zu und gib ihm die Zeit und den Raum, sich Dir mitzuteilen.

Das müssen nicht immer Wörter sein, sondern es können auch weitere Bilder oder Gefühle in Dir aufsteigen.

Wenn dieser Anteil mit Dir spricht, kannst Du ihm auch Fragen stellen, wie zum Beispiel „Was ist Deine wichtigste Aufgabe?“

Er ist ein Teil von Dir, der seine ganz eigenen Ansichten und Erklärungen parat hat.

4. Vergib einen Namen

Jetzt darfst Du diesem Persönlichkeitsanteil einen Namen geben.

Welche Bezeichnung würde zu dem Anteil passen?

Ist es der Perfektionist, der Antreiber, die Jammerfrau, der Höllenhund, die Weise Frau, der Polizist, die Spinnerin, der Künstler, die Zweiflerin?

Ein passender Name wird es Dir später erleichtern, Deine Anteile unterscheiden zu können.

5. Schreibe seine Eigenschaften auf

Dann schreibst Du alles auf, was Dir zu diesem Persönlichkeitsanteil einfällt.

Wie kommuniziert er?

Was ist ihm wichtig?

Wofür ist er da?

Was sind seine Gewohnheiten?

Die Liste wird länger

Diese Fragen gehst Du für alle Persönlichkeitsanteile durch, die Du näher beleuchten willst.

Das kann richtig viel Freude machen, denn auf diese Weise lernst Du Dich sehr gut kennen.

Vielleicht stellst Du auch fest, dass Du noch weitere Deiner Anteile ausfindig machen und sie für Dich charakterisieren möchtest.

Du kannst Deine Liste im Laufe der Zeit immer weiter ergänzen, wann immer Dir ein Persönlichkeitsanteil auffällt, den Du bisher noch nicht aufgeschrieben hattest.

Die Anteile arbeiten mit- und gegeneinander

Wenn Du Dir die Liste jetzt betrachtest, fällt Dir eventuell auf, dass manche Persönlichkeitsanteile in direkter Konkurrenz zueinander stehen.

Andere wiederum bilden ein tolles Team und arbeiten vorbildlich zusammen.

In unserer Brust wohnen demnach nicht nur zwei, sondern viele Seelenanteile mehr als gedacht.

Und das ist eine gute Nachricht.

Denn sobald Du Dir über die verschiedenen Persönlichkeitsanteile bewusst geworden bist und sie näher kennengelernt hast, wird Dir manches klarer.

Entscheidungen fallen Dir manchmal schwerer

Du ahnst jetzt vielleicht, warum Du bei manchen Erlebnissen oder Entscheidungen ambivalente Gefühle hast.

Ein Teil von Dir findet Achterbahnfahren aufregend und energetisierend, ein anderer Teil möchte sich am liebsten in ein Mauseloch verkriechen, sobald eine Achterbahn ins Blickfeld gerät.

Besonders bei komplexeren Lebensentscheidungen wie

„Kind, ja oder nein?“
„Diesen oder jenen Beruf ergreifen?“
„Hier- oder dorthin ziehen?“

kann es passieren, dass sich die Persönlichkeitsanteile gegenseitig – und damit Dir – das Leben schwer machen.

Dann kann es vorkommen, dass Du Dich erst einmal außerstande siehst, überhaupt eine Entscheidung zu treffen.

Positionen sind verhandelbar

Manchmal fühlt sich diese Argumentationsweise, mal eine andere genau richtig an.

Je besser Du Deine Persönlichkeitsanteile kennst, desto leichter kannst Du mit ihnen in Verhandlungen treten.

Das Ziel darf darin bestehen, dass die Mehrheit Deiner Anteile mit der Entscheidung einverstanden ist.

Und die verbleibenden Anteile sollten zumindest keinen Aufstand anzetteln und die Entscheidung boykottieren.

Ich wünsche Dir viel Freude beim Kennenlernen Deiner Anteile!

Alles Liebe

Claudia

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